Der deutsche Lederwarenfachhandel hat sich im letzten Jahr nach eigenen Angaben ordentlich geschlagen. Der Bundesverband des Deutschen Lederwaren-Einzelhandels (BLE) schätzt, dass die Branche in 2013 den guten Vorjahresumsatz zumindest halten konnte. Das Statistische Bundesamt hat für den Lederwarenfachhandel in seiner amtlichen 5%-Stichprobe sogar ein vorläufiges Umsatzplus von 3,7 Prozent für 2013 ausgewiesen.
Tatsächlich scheint das Marktvolumen für Lederwaren und Reisegepäck im vergangenen Jahr gestiegen zu sein. Der Zuwachs kommt allerdings nicht aus dem klassischen Lederwarenfachhandel, sondern aus anderen Vertriebswegen.
So haben Waren- und vor allem Modehäuser oftmals ihren Anteil an modischen Accessoires auch in 2013 weiter erhöht und damit z.B. ihre Umsätze mit Taschen merklich gesteigert. Sehr expansiv waren zudem Online-Anbieter, deren Umsatzzuwachs der BLE in 2013 auf rund 20 Prozent schätzt. Der Marktanteil des gesamten Versandhandels am Lederwarenmarkt dürfte aktuell bei 15 bis 20 Prozent liegen, wobei mindestens zwei Drittel über das Internet laufen dürfte.
Bandbreite von minus 20 Prozent bis plus 20 Prozent
Im Lederwarenfachhandel waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Geschäften erneut groß. Die Bandbreite reicht von Umsatzveränderungen von minus 20 Prozent bis plus 20 Prozent. Schwächer abgeschlossen haben vor allem kleinere Geschäfte in schlechteren Lagen.
Für gute Umsätze hat 2013 vor allem das Reisegepäck gesorgt, aber auch Kleinlederwaren verkauften sich oft gut. Bei Handtaschen hängt und hing der Erfolg immer mehr davon ab, die richtige Ware bzw. Marke zur richtigen Zeit anbieten zu können. Schwächer entwickelte sich der traditionelle Businessbereich, der unter der Casualisierung der Arbeitswelt zu leiden hat. Hier wird die klassische Aktentasche oft durch die lässige Umhängetasche ersetzt.

Der typische Schulranzen ist konkurrenzlos
Eine ähnliche Entwicklung ist bei Rucksäcken bzw. Schulartikeln zu beobachten, weil junge Mädchen gerne mit einer Handtasche zum Unterricht erscheinen. Im Geschäft mit Erstklässlern ist aber nach wie vor der typische Schulranzen konkurrenzlos. Das sieht man auch in diesem Jahr wieder. Schließlich ist die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern die Haupteinkaufszeit für die Ausstattung von Schulanfängern.
Sorge bereitet dem Lederwarenhandel aktuell vor allem die Entwicklung der Kosten, die 2013 überdurchschnittlich stiegen. Im Fokus stehen hier die Energiepreise, aber auch die Aufwendungen für die Mitarbeiter. Kritisch gesehen wird auch der Rückgang der Kundenfrequenz, der eng mit dem wachsenden Wettbewerb im Internet zusammenhängt. Da die Menschen ihr Leben zunehmend vom heimischen Computer aus organisieren, verringern sich die Chancen für Impuls- oder Lustkäufe im gesamten stationären Fachhandel. Vor allem unattraktive Lagen und Städte haben darunter zu leiden.
Zuversicht für das Jahr 2014
Trotzdem sind die Erwartungen des Lederwarenhandels für 2014 eher zuversichtlich. Laut einer BLE-Umfrage rechnen rund 40 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatzplus, 60 Prozent zumindest mit einem Pari. Wohl auch deshalb planen etwa vier von fünf der befragten Händler Investitionen in ihr Unternehmen. Ganz vorne auf der Rangliste steht dabei die Qualifizierung des Personals sowie Ausgaben für Ladenbau und Visual Merchandising.
Der Start ins Jahr 2014 war für den Lederwarenfachhandel erfreulich. Nicht zuletzt aufgrund der milden Witterung wurden neue Handtaschenmodelle schon gut verkauft. Aber auch beim Reisegepäck haben die Umsätze in den ersten zwei Monaten schon angezogen. Allerdings war die Vorlage aus 2013 eher niedrig.
Viel wird in den nächsten Wochen und Monaten davon abhängen, wie sich die Konsumstimmung entwickelt. Zwar gibt es die schon bekannten Unsicherheiten rund um den Euro und die damit verbundene Staatsverschuldung, andererseits ist die Beschäftigungsquote so hoch wie lange nicht mehr und bildet damit die Voraussetzung für ein gutes Geschäft.
Marktvolumen: rund 2,4 Mrd. Euro
Die Marktdaten: Der BLE schätzt das Marktvolumen von Lederwaren in Deutschland auf rund 2,4 Mrd. EUR (Jahr 2013 zu Endverbraucherpreisen). Der spezialisierte Lederwarenfachhandel ist dabei unverändert der wichtigste Vertriebsweg für Lederwaren. Laut der letzten Umsatzsteuerstatistik gab es in Deutschland im Jahr 2011 insgesamt 1.624 selbständige Lederwarenfachgeschäfte, die zusammen einen Bruttoumsatz von knapp 1,4 Mrd. EUR erzielt haben.

10.03.2014